Hermann Stehr - Auf Leben und Tod

Hermann Stehr - Auf Leben und Tod


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Das fünfte ePub

"Auf Leben und Tod" ist Stehrs erste Buchveröffentlichung. Das Werk, das die beiden Novellen "Der Graveur" und "Meicke der Teufel" enthält, war bereits 1889, im Durchbruchsjahr des deutschen Naturalismus, fertig, bevor es lange Jahre später erst den Weg zum renommierten Fischer-Verlag fand. Stehr erwirbt mit seinem Erstling die Freundschaft Gerhart Hauptmanns und regt ihn damit zugleich zu seinem Drama "Fuhrmann Henschel" an. Freilich bringt ihm die Veröffentlichung der Novellen wegen angeblich persönlicher Beleidigung (ein Dorfgenosse glaubte sich porträtiert und verklagte Stehr) sowie „gotteslästerlichen, unmoralischen“ Inhalts einen Prozess ein, zu dem Gerhart Hauptmann ein vom Gericht allerdings nicht in Betracht gezogenes Gutachten verfertigt. Stehr erhält eine Geldstrafe, die ihn den gesamten Erlös seines ersten Buches kostet.
Die erste Novelle trägt den Untertitel "eine psychologische Monographie" und kennzeichnet den wissenschaftlichen Impetus naturalistischer Dichtkunst, aber ebenso die schon im ersten Werk auftretende Verlagerung der Perspektive in den seelischen Innenraum. Beide Novellen haben einen tragischen Charakter und werfen mitleidvolle, aber unbestechliche Blicke auf erbärmliche Zustände im ländlichen Schlesien in der zweiten Phase der Industrialisierung. So ist der Graveur in einer Glasfabrik beschäftigt, während Wenzel in der zweiten Novelle wegen eines Arbeitsunfalls in der Holzindustrie seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Wie auch im "Schindelmacher" oder im "Begrabenen Gott" kommt es zu machtvollen Show-downs.
Das Werk, 1924 erst in der dritten Auflage, ist wie das gesamte Frühwerk hinter dem Bestseller "Der Heiligenhof" unverdient in den Hintergrund geraten.
Ich habe es aus der Erstausgabe (Buchdeckel und Titelseite im ebook) eingelesen und darauf geachtet, dass gerade der typische Gebrauch der Satzzeichen (lange Gedankenstriche, Punkte-Häufungen in bestimmten Anzahlen etc.) 1:1 wiedergegeben wird. Die erste Novelle verzichtet noch auf den schlesischen Dialekt.
(brucewelch)

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