Friedrich Spielhagen - Clara Vere

Friedrich Spielhagen - Clara Vere



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"Clara Vere", 1853 entstanden, 1857 erstveröffentlicht, ist Spielhagens Debüt-Publikation. Die Erstausgabe firmiert noch unter dem Gattungsbegriff "Novelle"; noch in den betreffenden Bänden der Werk-Ausgabe der 1880er-Jahre ist der Text in den ersten der beiden "Novellen"-Bände eingereiht; ab den 1890er-Jahren tragen dieselben Bände den Titel "Kleine Romane", was uns heute für das vorliegende Werk ebenfalls treffender erscheint.
Das Werk ist in der literarischen Faktur noch sehr rhetorisch; in der Erzählhaltung wird noch ziemlich herumprobiert - der objektive Konversations- und Deskriptionsstil der späteren großen Romane muss erst erarbeitet werden. Ton, Bildlichkeit und Szenarien sind von deutlichem Romantizismus bestimmt. Der in England spielende Text weist ferner zahlreiche Reminiszenzen an die englische Literatur auf, nicht zuletzt an Bulwer-Lytton's Romane (Lady Vere, Herzog Arlington, Helene Locksley wirken wie an "Ernest Maltravers" angelehnt); Reminiszenzen verweisen aber auch auf Tiecks schauspielernden "Jungen Tischlermeister". Das Ganze ist jedoch mit Natur-, besonders "Wald"gefühl angereichert. Dazu passt, dass das schlichte Bürgermädchen die anspruchsvolle High-Class-Lady einmal mehr um Längen schlägt ...
Weltanschaulich wirken die Forderungen des jungen Deutschland nach Wahrheit, Mitgefühl, Freiheit und Gleichheit beim jungen Spielhagen in oft noch sehr deklamatorischer Weise nach - verlassen hat er diesen 48er-Idealismus bis zu Ende nicht. - Ein Werk, das zeigt, dass dieser später außergewöhlich erfolgreiche Romandichter noch eine gewisse Lernstrecke vor sich hat, das aber auch äußerst anschauliche Szenen und überraschende Wendungen enthält, die auf Größeres hoffen lassen.

(brucewelch)

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